Mit Kind und Kegel ins Museum

Kind + Kunst von Moana Funke – Kolumne #1

Ich schwöre es. Nie wollte ich eine dieser Muttis werden, die sobald der Nachwuchs da ist, nur noch über Stillpositionen, Babybreisorten und Stuhlgangfrequenzen ihrer Plagen reden. Am Besten im Monolog. Als ob es keine anderen Themen geben würde.

Kunst+Kind_Köln
Nein, ich wollte anders sein. Nicht umsonst habe ich mit großem Eifer mein Kunststudium absolviert, habe stundenlang mit Freunden über die Seele der  Gesellschaft diskutiert. Kurz: Ich wollte die kulturinteressierte Frau bleiben, die ich war. Auch mit Kind. Ich sah mich schon Latte Macchiato trinkend durch Sülz schlendern, mit dem selig schlummernden Säugling im Arm Galerien und Ausstellungen  besuchen, und später dann würde ich meinem Kind die spannende Welt der Kunst erklären. Kann ja wohl nicht so schwer sein. Dachte ich. Dann wurde ich schwanger. Gut, Mozart hören während der Schwangerschaft fand ich nicht so prickelnd. Außerdem hatte ich neben dem Klo keinen CD Player. Und dann kam das Kind. Und zwar gewaltig. Die Konzerte klangen weder nach Mozart noch nach Adele. Eher wie die Nachbarskatze während der Paarungszeit mit einem Hauch Kreissäge. Oder umgekehrt. Der Mann kroch mit dem Kinderwagen durch die Straßen, ohne Latte Macchiato, dafür im Mondlicht. Jede Nacht.

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Mit Baby ins Museum.
So stand es auf einem Handzettel für das Wallraff-Richartz Museum. Irgendwann dachte ich, Jetzt oder nie.  Also Schlafenszeit angepasst, Taschen(n!) gepackt. Auf geht’s Kind, wir machen einen auf Kultur. Der Weg zur Straßenbahn war einfach wunderbar, aber kaum an der Haltestelle angekommen, fing das Kind an zu brüllen. In der Straßenbahn schraubte sich sein Ton immer höher und höher. Plötzlich Stille. Das Kind hatte sich eingekackt, vom Feinsten. Kennen Sie das, wenn man am Geruch schon merkt, dass der Windelinhalt sich nicht mehr, wie in der Werbung versprochen, in der Windel befindet? Warum fand ich in den vielen Taschen keine Feuchttücher? Und warum hatte ich den Kochlöffel eingepackt?  Jedenfalls dankte ich dem lieben Gott dafür, dass er Drogeriemärkte erfunden hatte, die eine Wickelstation im Laden anboten. Ich fuhr also wieder zurück, hetzte in den „UnsertäglichesDMgibunsheute“  Drogeriemarkt und putze mein Kind sauber. Seeehr gründlich. So gründlich, dass ich vergaß dem artigen, kunstinteressierten Kind eine neue Windel anzuziehen. Bemerkte ich dann wieder in der Straßenbahn. Am Geruch.

Aber zuhause war es dann auch sehr schön.

P.S. Auf dem Weg nach Hause hatte ich noch ein sehr nettes Gespräch mit einer anderen Mutter, über den Zusammenhang von Stuhlgangfrequenzen und Muttermilch. Ich war so froh, dass ich mit jemanden darüber sprechen konnte…

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